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Einführung

Arbeiten an diesem Projekt begannen im Jahr 2018. Die Präsentation der jeweiligen Orte stellt den Stand zum Zeitpunkt der Aufnahme der Fotos dar, ist subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Marker im Übersichtsplan geben den Fotostandort an und weichen daher leicht ab von dem Standort des jeweiligen Objektes.

Die hier abgebildeten religiösen Orte liegen in einem Gebiet, das sich von San Fernando im Norden bis Long Beach im Süden (ca. 47 Miles = 75 km) und in Ost-West Richtung von San Fernando bis East LA  (ca. 37 Miles = 60 km) erstreckt. Als Vergleich Hamburg, Deutschland: Nord-Süd-Ausrichtung ca. 40 km, Ost-West-Ausrichtung ca. 43 km.

Da es wenige religiöse Neubauten in Deutschland gibt, kommen Kirchengebäude in der deutschen Architekturdiskussion kaum vor oder werden eher stiefmütterlich behandelt. Umso spannender ist es, die Vielfalt der sich baulich manifestierenden Religionsformen in den USA zu betrachten, zumal ab den 1920er Jahren mit Einzug der Moderne immer wieder interessante – ohne historisierende Formensprache auskommende Gebäude – realisiert wurden.

Die Transkulturalität der USA – also die Idee einer Gemeinschaft an der alle teilhaben können egal welcher nationalen Kultur sie ursprünglich angehören – spiegelt sich in der Vielfalt der Religionsgemeinschaften in Los Angeles wieder.

Daraus resultieren unterschiedliche Gebäudetypologien wie z.B. die klassischen mehrschiffigen Hallenkirchen, Kirchen als Multifunktionsraum, Megakirchen mit bis zu 10.000 Sitzplätzen, Lagerhallenkirchen, Storefront Churches, Prayer Rooms, Tabernakel oder auch fernöstliche Tempelformen:

Kirchen in den USA finanzieren sich durch Mitgliedsbeiträge – die anders als in Deutschland nicht vom Staat eingezogen werden – und Spenden. Dazu kommen Einnahmen aus Vermietung für Veranstaltungen und eventuelle Studiengebühren für der Kirche angeschlossene Schulen. Der Erfolg einer Kirche hängt großteils also von der thematischen Ausrichtung und dem Angebot für das gemeindliche Umfeld ab.

Andere Formen der Vermittlung religiöser Inhalte wie Popup-, TV- und Rockkirchen in großen Veranstaltungshallen wie dem „Forum“ in LA oder auch die subjektiven Objekte von Künstlern komplettieren das durchaus schillernde Angebot religiöser Inhalte in den USA:

Ein wenig attraktives Angebot an Inhalten oder die ethnische Veränderung des Umfeldes kann zum Niedergang einer Kirche führen. Gebäude werden dann ohne größere „Entweihungsprozedur“ umgenutzt in Hotels, Schulen, Restaurants oder Läden. In manchen Fällen übernimmt eine andere Religionsgemeinschaft das Gebäude oder mehrere Gemeinden mit unterschiedlichen Glaubensschwerpunkten teilen sich das jeweilige Gebäude.

Umgekehrt kann aus einem ehemaligen Theater auch eine Kirche werden:

Die religiösen Kräfte in den USA wenden sich mit einem im Internet stark vertretenen „Church Plant Movement“ gegen die Schließung von Kirchen und das zunehmende Desinteresse an religiösen Themen. Man findet im Internet Anleitungen und Hilfen um selber eine Kirche zu gründen. Die damit verbundene Bauaufgabe ist offenbar so interessant, dass es Architekturbüros gibt, die sich nur auf die Projektentwicklung und Realisierung von Kirchengebäuden fokussieren.

Die geschichtliche Bedeutung der christlichen Großkirchen in den USA wird auch heute noch bei Neubauten sichtbar. Meist ist eine Schule oder ein Kindergarten integraler Bestandteil der Einrichtung und weist damit einmal mehr auf die soziale Bedeutung der Kirchen während der Besiedlung der USA hin.

Während der 1960er Jahre wurden einige Kirchen in Compton von Martin Luther King für Vorträge genutzt. Auch die Gospelmusik hatte dort 1972 einen ihrer Höhepunkte mit einem Konzert von Aretha Franklin.

Die soziale Mischung innerhalb eines Stadtviertels und die Toleranz gegenüber anderen Religionsgemeinschaften kann auch das sogenannte „church zoning“ – ein Element der Bauleitplanung – befördern. Eine solche Ausweisung bewirkt, dass z.B. ein buddhistischer Tempel direkt neben einer katholischen und einer nicht-konfessionsgebundenen Kirche gebaut werden kann.